Bremer Informatiker erhalten CONTACT Software Förderpreis
Masterarbeit und erstmalig auch ein Bachelor Report ausgezeichnet
Bremen, 2. Februar 2010 – Sandra Siegel (24), Lutz Dickmann (29) und Tobias Lensing (28) sind mit dem CONTACT Software Förderpreis 2009 ausgezeichnet worden. Gestiftet von einem der größten Hersteller von Standardsoftware in Norddeutschland, honoriert der Preis alljährlich drei herausragende Diplom- und Masterarbeiten im Bereich der angewandten Informatik. Er ist mit Fördergeldern von je 5.000 €, 3.000 € und 2.000 € dotiert und wird in Kooperation mit dem OFFIS-TZI an Absolventen der Universitäten Bremen und Oldenburg vergeben. Den ersten Preis im Abschlussjahrgang 2009 teilen sich Dickmann und Lensing, die eine gemeinsame Arbeit für ihren Master of Science an der Universität Bremen verfasst haben. Auch der zweite Preis geht nach Bremen, wobei mit der Arbeit von Siegel erstmalig ein Bachelor Report ausgezeichnet wurde. Den dritten Preis hat Igor Sechyn (24) für seine Diplom-Arbeit am Department Informatik der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg erhalten.
Die Ehrung der Bremer Preisträger (Erstgutachter Prof. Dr. Rainer Malaka) fand im Rahmen der Abschlussfeier statt, die der hiesige Fachbereich 3 „Mathematik und Informatik“ traditionell Ende Januar für seine Absolventen ausgerichtet. In seiner Laudatio würdigte Dr. Roland Drewinski, Mitglied der Geschäftsleitung der CONTACT Software GmbH, den aktuell-wissenschaftlichen Bezug der prämierten Arbeiten und die Qualität der Lehre an der Universität Bremen als Wegbereiter für derartige Spitzenleistungen. „Für den Unternehmenserfolg werden IT-Lösungen, die möglichst optimal auf die Belange ihrer Anwender zugeschnitten sind, immer wichtiger“, begründet Drewinski die Entscheidung der Jury. „Beide Arbeiten untersuchen in unterschiedlichen Themenfeldern, wie sich die Interaktion zwischen Benutzer und Technologie verbessern lässt und liefern vielversprechende Ansätze für die Softwareentwicklung."
Dickmann und Lensing haben sich mit dem zunehmenden Einsatz kontext-sensitiver Anwendungen beschäftigt, die Benutzer mit einer aufgabenbezogenen Informationsbereitstellung bei ihren jeweiligen Tätigkeiten unterstützen sollen. Die meisten derartigen Lösungen sorgen jedoch eher für Irritationen auf Anwenderseite und stoßen deshalb auf mangelnde Akzeptanz. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass vorangegangene Interaktionen vom System nicht berücksichtigt werden, was das Verstehen der aktuellen Benutzerintention nahezu unmöglich macht. In ihrer Masterarbeit sind die beiden Informatiker der Frage nachgegangen, ob komplexere Assistenzfunktionen von einer Art Kurzzeitgedächtnis profitieren würden oder nicht. Im Ergebnis weisen sie nach, dass eine Berücksichtigung des Interaktionskontextes bis zu einem bestimmten Punkt die Klassifikation der Benutzerintention signifikant verbessert würde und geben dadurch den Entwicklern zukünftiger intelligenter Systeme wertvolle Einsichten mit auf den Weg.
Sandra Siegel hat in ihrer Bachlor-Arbeit untersucht, ob sich das in der Online-Plattform flickr und anderen sozialen Netzwerken übliche Verfahren der freien Vergabe von Schlagworten verbessern lässt. Das Problem beim so genannten „Social Tagging“ ist, dass es hierfür keine Regeln gibt: Jeder Benutzer indiziert seine Inhalte nach eigenem Gusto, was die Suche für andere Anwender erschwert, da kein gemeinsames Vokabular existiert. Siegel erläutert in ihrer Arbeit zunächst, warum das “Taggen” überhaupt funktioniert und zeigt dann auf, wie man herausfindet, welche Tags zusammen gehören bzw. einander ähnlich sind. Aus dieser Betrachtung entstehen semantische „Tag Clouds”, d.h. visualisierte Wortwolken, die Anwendern eine wesentlich bessere Orientierung im Datenbestand ermöglichen.
Die CONTACT Software GmbH will mit der Stiftung dieses Preises zum einen die Idee der Metropolregion Bremen-Oldenburg unterstützen und zum anderen Studienausrichtungen mit hohem Praxisbezug fördern. Das auf Lösungen für das Produktdaten- und Product Lifecycle Management fokussierte Unternehmen pflegt schon seit längerem eine enge Zusammenarbeit mit dem Bremer Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik (TZI) und dem Oldenburger Informatikinstitut OFFIS. Beide Hochschuleinrichtungen zielen mit ihrer Forschung im Bereich innovativer Informations- und Kommunikationstechnologien auf den Transfer in Produkte und Dienstleistungen ab. Dies hat in der Konsequenz zur Gründung einer gemeinsamen Plattform – dem OFFIS-TZI – und zu der Idee geführt, herausragende Leistungen im Bereich der angewandten Informatik mit einem Förderpreis zu ehren.